Weitgehend passende Keywords – auch bekannt als Broad Match – haben einen zweifelhaften Ruf. Viele Werbetreibende meiden sie wie den Teufel und schwören auf Exact Match. Ich sehe das anders. In diesem Artikel erkläre ich, warum ich Broad Match in meiner Google Ads Beratung gezielt einsetze und wie du ihn so steuerst, dass er dir mehr einbringt als er kostet.
Warum weitgehend passende Keywords oft zu Unrecht gemieden werden
Das Problem mit Broad Match ist nicht das Keyword-Matching selbst – es ist die fehlende Struktur dahinter. Wer weitgehend passende Keywords einfach loslässt, ohne Ausschlusslisten und ohne regelmäßige Auswertung der Suchanfragen, verbrennt tatsächlich Budget. Das hat dem Ruf von Broad Match geschadet.
Aber das ist kein Argument gegen weitgehend passende Keywords. Es ist ein Argument gegen Kontrollverlust.
Die Idee dahinter: Broad Match als Entdeckungsmaschine
Meine Motivation war ursprünglich simpel: Ich war auf der Suche nach möglichst günstigen Klickpreisen. Die Lösung? Long-Tail-Traffic abgreifen – also Suchanfragen, die sehr spezifisch sind, wenig Wettbewerb haben und deshalb günstig zu erkaufen sind.
Dafür muss man die Zügel etwas lockerlassen. Und genau dafür sind weitgehend passende Keywords das richtige Werkzeug.
Google hat offiziell bestätigt, dass täglich rund 15 % aller Suchanfragen völlig neu sind – also in dieser Form noch nie gestellt wurden. Das sind Milliarden von Anfragen, die kein bestehendes Keyword-Set abdecken kann. Weitgehend passende Keywords sind der einzige Match-Typ, der diese neuen Anfragen systematisch aufspürt.
Der Gedanke dahinter: Du gehst explorativ an dein Konto heran. Du testest, welche Suchanfragen wirklich Conversions bringen – und nimmst die besten als echte Keywords in dein Konto auf.
Meine Kampagnenstruktur für weitgehend passende Keywords
Ich empfehle eine klare Trennung: eine eigene Kampagne oder Anzeigengruppe ausschließlich für Broad Match. Das reserviert einen definierten Budget-Anteil für die Exploration – und verhindert, dass diese Anfragen mit deinen bereits erprobten Exact-Match-Keywords in Konkurrenz treten.
Der Aufbau im Überblick
- Wenige, gut gewählte weitgehend passende Keywords als Ausgangspunkt
- Allgemeine Ausschlusslisten von Beginn an einsetzen – irrelevante Branchen, Informationsanfragen, Wettbewerber ausschließen
- Moderates Gebot mit hartem Max-CPC – damit läuft nichts aus dem Ruder, bevor du eingreifen kannst
- Regelmäßige Auswertung der Suchanfragen – je nach Traffic-Volumen täglich oder wöchentlich
Was du mit den Suchanfragen machst
Teure oder irrelevante Anfragen schließt du sofort aus. Anfragen, die gut konvertieren, nimmst du als Exact-Match- oder Phrase-Match-Keywords in deine eigentliche Kampagne auf. So wächst dein Keyword-Set organisch – mit echten Daten statt mit Keyword-Planner-Schätzungen. Wer dabei auch die Landingpage im Blick hat, kann durch gezielte Conversion Optimierung noch mehr aus dem Traffic herausholen.
Für wen sich weitgehend passende Keywords lohnen – und für wen nicht
Ich will ehrlich sein: Weitgehend passende Keywords sind kein Ansatz für jedes Konto.
Geeignet ist der Ansatz, wenn
- das Tagesbudget mindestens doppelt so hoch ist wie dein durchschnittlicher CPA,
- dein Konto bereits solide läuft und du es profitabler machen willst,
- du regelmäßig Zeit hast, die Suchanfragen zu prüfen.
Nicht geeignet ist der Ansatz, wenn
- du mit einem sehr kleinen Budget arbeitest,
- dein Konto kämpft, überhaupt eine Conversion pro Tag zu erzielen,
- du die Kampagne nicht regelmäßig beobachten kannst.
Bei knappen Budgets und fragiler Performance ist Broad Match das Falsche. Hier sollte das Konto erst stabilisiert werden, bevor man explorativ vorgeht.
Gerade jetzt: KI-generierte Suchanfragen als Chance
Ein Aspekt, der Broad Match gerade aktueller macht denn je: Durch KI-gestützte Suche werden Suchanfragen immer länger und spezifischer. Nutzer formulieren heute ganze Sätze statt einzelner Keywords. Das führt zu echten Long-Tail-Monstern – Suchanfragen, die so spezifisch sind, dass kein Werbetreibender sie manuell recherchieren würde.
Wer einen Teil seines Budgets für weitgehend passende Keywords reserviert, fängt genau diese Anfragen ab – bevor die Konkurrenz sie überhaupt auf dem Schirm hat.
Weitgehend passende Keywords testen: So startest du heute
Du willst es ausprobieren? So gehst du vor:
- Wähle eine gut laufende Kampagne mit ausreichend Conversion-Signalen.
- Dupliziere diese Kampagne – die bestehende bleibt unangetastet.
- Stelle alle Keywords auf weitgehend passend um und sortiere redundante Keywords aus.
- Setze einen harten Max-CPC – moderat bieten, nicht aggressiv.
- Überprüfe täglich die Suchanfragen und schließe Irrelevantes sofort aus.
- Übernimm funktionierende neue Suchanfragen als Phrase- oder Exact-Match-Keywords in deine ursprüngliche Kampagne.
Das Budget der neuen Kampagne sollte so bemessen sein, dass du zu bisherigen Kosten mindestens eine Conversion pro Tag erzielen kannst. Idealerweise entspricht das Tagesbudget dem Doppelten deines CPA.
Fazit: Weitgehend passende Keywords als strategisches Werkzeug
Weitgehend passende Keywords in Google Ads sind kein Fehler. Sie sind ein Werkzeug – und wie jedes Werkzeug entscheidet die Anwendung über den Erfolg.
Wer strukturiert vorgeht, regelmäßig auswertet und klare Leitplanken setzt, findet mit Broad Match Keywords, die sonst niemand hat. Günstig, relevant, auf echten Daten basierend. Das ist kein Trick. Das ist systematisches Google Ads Management.
Du willst wissen, ob dieser Ansatz für dein Konto passt? Schreib mir.