Microsoft Ads fristen in den meisten Marketing-Budgets ein Schattendasein. Google Ads bekommt die Aufmerksamkeit, Bing geht leer aus. Das ist oft vorschnell – denn gerade im B2B gibt es Konstellationen, in denen Microsoft Ads B2B wirtschaftlich interessant ist. Und Konstellationen, in denen es das definitiv nicht ist.
Dieser Artikel zeigt dir beides.
Was Microsoft Ads überhaupt ist – kurz erklärt
Microsoft Ads (früher Bing Ads) ist die Werbeplattform von Microsoft. Anzeigen erscheinen auf Bing, Yahoo und DuckDuckGo sowie auf Microsoft-eigenen Flächen wie dem Edge-Browser und dem Windows-Startbildschirm.
Der Gesamt-Marktanteil von Bing in Deutschland liegt je nach Quelle zwischen 4 und 6 Prozent. Das klingt nach wenig – und wäre es auch, wenn alle gleich viel suchten. Tun sie aber nicht.
Wer auf Bing sucht – und warum das für B2B zählt
Der entscheidende Punkt: Bei der Desktop-Suche in Deutschland liegt Bing bei rund 16 bis 18 Prozent Marktanteil (StatCounter, Januar 2026). Das ist kein Nischenkanal mehr.
Warum der Unterschied zwischen Gesamt und Desktop so groß ist: Mobile-Suchen laufen fast vollständig über Google. Auf dem Desktop – also dort, wo Berufstätige die meiste Zeit verbringen – sieht die Verteilung deutlich anders aus.
Der Grund dafür ist technischer Natur. Edge ist seit Windows 10 als Standardbrowser vorinstalliert und damit auf Millionen von Unternehmensrechnern präsent. In vielen Organisationen wird der Browser aus IT-Richtlinien nicht gewechselt. Wer Edge nutzt und keine andere Suchmaschine eingestellt hat, landet automatisch bei Bing.
Das Ergebnis: Auf Bing suchen überproportional viele Menschen, die im beruflichen Kontext am Computer arbeiten. Entscheider, die keine Zeit oder Berechtigung haben, ihren Standardbrowser zu konfigurieren. Genau die Zielgruppe, die du mit Microsoft Ads B2B ansprechen willst.
Die wirtschaftlichen Argumente für Microsoft Ads
Neben der Zielgruppe gibt es zwei handfeste Kostenargumente:
Geringere Klickpreise. Weil weniger Werbetreibende auf Microsoft Ads bieten, ist der Wettbewerb in vielen Branchen deutlich geringer als bei Google. Das drückt die Klickpreise. In manchen B2B-Segmenten zahlt man auf Microsoft Ads 30 bis 50 Prozent weniger pro Klick als auf Google – bei vergleichbarer Suchintention.
Weniger Wettbewerb um Anzeigenpositionen. Weil viele Unternehmen Microsoft Ads schlicht ignorieren, sind gute Platzierungen oft leichter zu bekommen. In Branchen, in denen Google Ads hart umkämpft ist, kannst du auf Bing günstig Sichtbarkeit aufbauen, ohne in einen teuren Bieterwettbewerb zu geraten.
Das macht Microsoft Ads nicht zu einem Ersatz für Google Ads. Aber es macht die Plattform zu einer sinnvollen Ergänzung – wenn das Budget es zulässt und die Kampagnen sauber aufgesetzt sind. Ob Google Ads grundsätzlich für dein Unternehmen passt, ist die vorgelagerte Frage.
Der B2B-Joker: LinkedIn-Audience-Targeting
Das ist der Punkt, den die meisten übersehen – und der Microsoft Ads B2B strukturell interessanter macht als jede andere Suchplattform außer LinkedIn selbst.
Microsoft hat LinkedIn 2016 übernommen. Das Resultat: Microsoft Ads erlaubt es, Suchkampagnen mit LinkedIn-Profildaten zu überlappen. Du kannst Anzeigen gezielt an Nutzer ausspielen, die bestimmte Jobtitel haben, in bestimmten Branchen arbeiten oder bei bestimmten Unternehmen beschäftigt sind.
Konkret stehen drei Targeting-Dimensionen zur Verfügung:
- Branche – zum Beispiel nur Nutzer aus dem Maschinenbau oder der Baubranche
- Unternehmensgröße – zum Beispiel nur Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern
- Jobtitel / Jobfunktion – zum Beispiel nur Geschäftsführer, Einkaufsleiter oder IT-Verantwortliche
Der wirtschaftliche Hebel dahinter: LinkedIn Ads kosten oft 8 bis 15 Euro pro Klick. Microsoft Ads-Kampagnen mit LinkedIn-Targeting sind deutlich günstiger – weil du auf Suchanfragen mit konkreter Kaufabsicht bietest statt auf LinkedIn-Nutzer im Scroll-Modus.
Du erreichst also B2B-Entscheider in dem Moment, in dem sie aktiv nach einer Lösung suchen – und kannst gleichzeitig steuern, dass nur die richtigen Entscheider deine Anzeige sehen. Das ist eine Kombination, die Google Ads nicht bietet.
Wichtiger Hinweis: LinkedIn-Targeting in Microsoft Ads funktioniert als Gebotsanpassung, nicht als harter Filter. Du schließt niemanden aus, sondern bietest für die gewünschte Zielgruppe höher. Das bedeutet: Auch Nutzer außerhalb der Zielgruppe können deine Anzeige sehen, aber dein Budget fließt stärker in die relevante Gruppe.
Wann Microsoft Ads B2B wirtschaftlich Sinn ergibt
Microsoft Ads B2B ist dann besonders interessant, wenn folgende Punkte zutreffen:
- Deine Google-Ads-Kampagnen laufen bereits profitabel. Erst wenn Google Ads funktioniert, lohnt sich die Ausweitung auf eine zweite Plattform. Microsoft Ads als erster Kanal zu starten ist selten sinnvoll.
- Deine Zielgruppe ist älter oder in klassischen Unternehmensstrukturen tätig. Handwerk, Produktion, Maschinenbau, klassische Dienstleistungen – hier ist die Überschneidung mit dem Bing-Desktop-Publikum überdurchschnittlich hoch.
- Dein Google-Budget läuft regelmäßig aus. Wenn du täglich dein Google-Budget ausschöpfst und mehr Reichweite willst, ist Microsoft Ads die naheliegende Erweiterung.
- Du willst B2B-Entscheider nach Jobtitel oder Branche ansprechen. LinkedIn-Targeting in Kombination mit Suchabsicht ist ein echter Vorteil gegenüber Google Ads.
- Dein Produkt hat einen längeren Entscheidungsprozess. Im B2B mit langen Sales Cycles macht es Sinn, an möglichst vielen Touchpoints präsent zu sein – Bing kann einer davon sein. Wie Google Ads im B2B generell funktioniert, erklärt dieser Artikel.
Wann Microsoft Ads keine gute Idee sind
Genauso wichtig ist zu wissen, wann du die Finger davonlassen solltest.
- Wenn Google Ads noch nicht rentabel ist. Ein zweiter Kanal löst keine grundlegenden Conversion-Probleme. Erst muss das Fundament stimmen.
- Wenn deine Zielgruppe jung und technikaffin ist. Wer auf einem Mac mit Chrome arbeitet und 28 Jahre alt ist, sucht nicht auf Bing. Für Startups, Tech-Unternehmen oder Kreativdienstleister ist die Überschneidung mit dem Bing-Publikum gering.
- Wenn dein Budget knapp ist. Zwei Plattformen parallel zu betreiben kostet nicht nur Budget, sondern auch Aufmerksamkeit. Dünnes Budget auf zwei Kanäle zu verteilen macht beide schwächer, nicht stärker.
- Wenn du keine Kapazität für aktives Kampagnenmanagement hast. Microsoft Ads lässt sich nicht einfach auf Autopilot stellen. Suchbegriffsberichte prüfen, Ausschlüsse pflegen, Gebote optimieren – das kostet Zeit, genau wie bei Google.
Kampagnenimport – schneller Einstieg mit einer wichtigen Warnung
Wer Microsoft Ads testen möchte, muss nicht bei null anfangen. Die Plattform bietet einen Import direkt aus Google Ads an. Struktur, Keywords, Anzeigentexte und Ausschlusslisten können in wenigen Minuten übertragen werden.
Das spart Zeit beim Einstieg. Aber hier steckt eine Falle, die regelmäßig passiert:
Microsoft Ads erlaubt es, den Import zu automatisieren und regelmäßig zu synchronisieren. Das klingt komfortabel. In der Praxis führt es dazu, dass Änderungen, die du in deinem Google-Ads-Konto machst, automatisch auch in Microsoft Ads übernommen werden – inklusive neuer Kampagnen, geänderter Budgets und angepasster Gebotsstrategien.
Das Problem: Viele testen Microsoft Ads an, stellen den automatischen Sync ein und vergessen ihn dann. Wochen später laufen dort dieselben Kampagnen mit denselben Budgets – unbemerkt, unkontrolliert, teuer.
Meine klare Empfehlung: Nutze den Import einmalig als Startpunkt, schalte den automatischen Sync danach ab und behandle das Microsoft Ads B2B-Konto als eigenständiges Konto – mit derselben Aufmerksamkeit wie Google Ads. Kampagnen, die nicht aktiv betreut werden, verbrennen Budget.
Was du nach dem Import zusätzlich prüfen solltest:
- Gebotsanpassungen neu bewerten – Bing-Traffic verhält sich anders als Google-Traffic, alte Gebotsregeln passen oft nicht
- Conversion Tracking eigenständig einrichten – der UET-Tag (Universal Event Tracking) von Microsoft muss separat implementiert werden; ohne ihn hast du keine Optimierungsgrundlage
- Suchbegriffsberichte früh prüfen – was auf Google gut läuft, muss auf Bing nicht dasselbe Publikum anziehen
- LinkedIn-Targeting aktivieren – das bekommst du nicht aus dem Import, das musst du manuell einstellen
Mein Fazit: Ergänzung ja, Rettungsanker nein
Microsoft Ads ist keine Wunderwaffe. Aber es ist eine valide Option, wenn Google Ads bereits funktioniert und du mehr Reichweite willst – besonders im klassischen B2B.
Die geringeren Klickpreise, der Desktop-Fokus und vor allem das LinkedIn-Audience-Targeting machen Microsoft Ads B2B attraktiv für genau die Entscheider, die im B2B zählen. Gleichzeitig: Wer Google Ads noch nicht im Griff hat, sollte dort anfangen – und nicht auf eine zweite Plattform ausweichen.
Als strategische Ergänzung mit klarem Budget, eigenem Conversion Tracking und aktiver Betreuung kann Microsoft Ads qualifizierte Anfragen bringen, die du auf Google nicht bekommst.